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Otto Dix, Kupplerin, 1923, Farblithografie © VG Bild-Kunst, Bonn 2010Otto Dix, Kriegskrüppel, 1920, Kaltnadel © VG Bild-Kunst, Bonn 2010 Otto Dix, Liegender Akt (Sitzende mit Zigarette), 1923, Lithografie, Kreide, Pinsel © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Otto Dix: Sex Krieg Tod

Zeichnung und Grafik aus der Städtischen Galerie Albstadt.
Marienstraße 4 , D-89518 Heidenheim

Kein Künstler des 20. Jahrhunderts hat sich radikaler mit den Grundkonstanten des menschlichen Lebens auseinandergesetzt als Otto Dix: mit Sex und Tod als Anfang und Ende des Lebens und mit dem Krieg als hässlichster Form menschlicher Interaktion.
1891 als Sohn einer Arbeiterfamilie in Gera geboren, zeigt sich Dix’ zeichnerisches Talent schon in jungen Jahren. Beeinflusst von Friedrich Nietzsches Lebensphilosophie, meldet sich Dix 1914 freiwillig zum Militärdienst, weil er „alles unmittelbar erleben will“.
Als Otto Dix nach dem Krieg sein Studium an der Dresdner Kunstakademie (1919–1922) fortsetzt, arbeitet er anfangs expressionistisch, später dadaistisch. Da er – nach eigener Aussage – jedoch „die Verbindung zur sinnlichen Welt, den Mut zur Hässlichkeit, das Leben ohne Verdünnung“ braucht, erweisen sich diese abstrahierenden Stile als unzureichend. Deshalb entwickelt er einen detailgenauen Realismus, der die körperlichen Eigenarten und Defizite seiner Modelle nicht verdeckt, sondern schonungslos vor Augen führt. Sein neuartiger Realismus, für den die Zeitgenossen den Begriff „Verismus“ prägen, macht Dix – zusammen mit Max Beckmann und George Grosz – nicht nur zum Hauptvertreter der realistischen Kunst der Zwischenkriegszeit in Deutschland, sondern auch zu einem der bedeutendsten Realisten in der Geschichte der Kunst überhaupt.
Sechs Jahre nach Kriegsende, 1924, radiert Dix den Zyklus Der Krieg, mit dem er seine albtraumhaften Kriegserlebnisse zu „bannen“ sucht. Der 50-teilige Zyklus gilt als sein grafisches Haupt- und Meisterwerk und wird bis heute als die gelungenste künstlerische Darstellung des Ersten Weltkriegs angesehen.
Mit ihrer Machtergreifung beenden die Nationalsozialisten Dix’ Karriere. Für ihre faschistische Rassenideologie sind seine Körperbilder viel zu illusionslos, und seine Kriegsbilder wirken geradezu wehrkraftzersetzend. So muss sich Dix an den Bodensee zurückziehen, wo er unverdächtige Landschafts- und Heiligenbilder im „altdeutschen“ Stil malt, um nicht aufzufallen und so zu überleben.
Das Kriegsende bringt ihm die ersehnte Befreiung und führt auch zu einem tief greifenden Stilwandel. Nun zeichnet und malt er Bilder in einem expressiv-­realistischen Stil, der nichts mehr mit den schonungslos scharfen Beobachtungen der Zwischenkriegszeit gemein hat. Ab­gesehen von biblischen Themen bleibt er dabei seinem Motivrepertoire der Wei­marer Jahre treu. Weiterhin spielen Sex und Geburt, Jugend und Alter, Leben und Tod dabei eine zentrale Rolle, allerdings sind sie nun in eine altersmilde Vorstellung vom Kreislauf des Lebens ein­gebunden.
Die Ausstellung Otto Dix – Sex Krieg Tod stammt aus der Sammlung der Städtischen Galerie Albstadt, die mit mehr als 450 Aquarellen, Zeichnungen, Pastellen und Druckgrafiken – noch vor dem Kunstmuseum Stuttgart und dem Museum Gunzenhauser in Chemnitz – über den weltweit umfangreichsten Bestand an Dix-Grafiken verfügt. Das Kunstmuseum Heidenheim zeigt diese Ausstellung im Tausch mit seiner Picasso-Plakate- und -Druckgrafiksammlung, die bis 8. Februar 2011 unter dem Titel Pablo Picasso – Zwischen Arena und Arkadien in der Städtischen Galerie Albstadt zu sehen ist.
Ergänzt wird die Heidenheimer Ausstellung durch zwei Ölgemälde von Otto Dix, die aus der Schenkung Gunzenhauser stammen.
bis 13. Februar 2011

Informationen
Kunstmuseum und Kunst im öffentlichen Raum
Marienstraße 4, D-89522 Heidenheim
Tel. (+49-73 21) 327-4810
Di, Do, Fr 10–12 und 14–17 Uhr, Mi 10–12 und 14–19 Uhr, Sa, So, Fei 11–17 Uhr
www.heidenheim.de

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