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Die Dinosaurier im Naturhistorischen ­Museum

Seit Anfang Oktober 2011 ist der neue Sauriersaal des NHM geöffnet. Einzig­artige Skelette, lebensgroße Modelle und aufwendige Computeranimationen ermöglichen es, unmittelbar in die Welt des Erdmittelalters einzutauchen. Modernste Videoanimationen und interaktive ­Stationen vermitteln das Leben vor mehr als 65 Millionen Jahren so eindrucksvoll wie noch nie.

Burgring 7, A-1010 Wien

Ob Kind oder Erwachsener, niemand kann sich der Faszination der Dinosaurier entziehen. Mehr als 1000 verschiedene Arten dieser ausgestorbenen Riesen wurden bereits gefunden.

Es ist daher nicht erstaunlich, dass der Sauriersaal zu den wichtigsten Attraktionen des Naturhistorischen Museums zählt. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1984 hat sich das Bild der Wissenschaft von den Dinosau­riern aber stark gewandelt. Um den neuesten Ergebnissen über Aussehen und Verhalten der mesozoischen Riesen Rechnung zu tragen und das Museum als Vermittler aktueller Erkenntnisse zu positionieren, wurde eine völlige Neugestaltung des Saals beschlossen und ein bewusster Bruch mit dem historischen Ambiente gewagt.

Architektonisches Hauptelement des Saals ist ein zentrales Podium, auf dem die großen Skelette von Diplodocus, Allosaurus und Iguanodon von allen Seiten bestaunt werden können. Neu „belebt“ wird das Podium durch ein Animatronics-Modell eines Allosauriers als Pendant zu dem Skelettabguss eines 150 Millionen Jahre alten Allosaurus fragilis aus Utah.

Optisch dominant ist die vollständige Skelettrekonstruktion eines Diplodocus auf dem zentralen Podest. Das montierte Skelett dieses Sauropoden aus dem Jura Nordamerikas wurde nach Andrew Carnegie (1835–1919) benannt. Carnegie war ein Großindustrieller, der seinen Reichtum nutzte, um die Wissenschaft zu fördern. Über die nach ihm benannte gewaltige ­Dinosaurierart war er begeistert. Er ließ zahlreiche Kopien des fossilen Skeletts herstellen und an die damals 10 bedeutendsten Museen in der ganzen Welt verschenken. Daher findet sich in den Inventar­büchern des Naturhistorischen Museums Wien der Vermerk „Diplodocus carnegii, Seiner Kaiserlich-Königlichen Apostolischen Majestät von Dr. Andrew Carnegie gewidmet, 1909“.

Ein lebensgroßes Modell eines Pteranodons mit 7 Meter Flügelspannweite beherrscht den Luftraum des Saals. Mit seinen hohlen Knochen wog der Riese nicht mehr als 36 Kilogramm. Ein bis zu 60 Zentimeter langer Knochenkamm am Hinterkopf war bei männlichen und weiblichen Tieren unterschiedlich groß ent­wickelt und spielte wahrscheinlich bei der Balz und der Arterkennung eine wichtige Rolle. Einige Pterosaurier könnten sogar wie moderne Zugvögel jahreszeitliche Wanderungen zwischen den Kontinenten unternommen haben. In einer eigens animierten Videosequenz kann der Besucher – aus Flugsaurierperspektive – einen Schwarm dieser Flugsaurier bei seinem Flug über die Landschaft der Kreidezeit begleiten.

Durch aufwendige Computeranimationen der Animationsspezialisten 7-reasons werden die Skelette und Fossilien nicht nur „wiederbelebt“, sondern auch ihr Umfeld und ihre Lebensweisen erklärt.

Weltweit einzigartig ist auch das einzige bekannte vollständige Skelett der Riesenschildkröte Archelon.

Mit 4 Meter Länge war diese Meeresschildkröte die größte Schildkröte, die jemals gelebt hat. Der Rückenpanzer war stark reduziert, die Knochen wurden nur von einer festen, ledrigen Haut bedeckt. Ihr Lebensraum war ein tropisches Flachmeer in den heutigen USA. Dieses gefährliche Meeresparadies werden die Besu­cher(innen) wie durch die Fenster eines Glasbodenboots bestaunen können und dabei Archelon auf Futtersuche begleiten.

160 Millionen Jahre lang beherrschten Dinosaurier die Erde, ehe sie vor 65 Millionen Jahren durch einen Asteroideneinschlag ausgelöscht wurden. Diese gewaltige Naturkatastrophe ist in vielen Ablagerungen weltweit durch eine dünne schwarze Tonschicht mit hohem Iridiumgehalt nachweisbar. Für die Ausstellung wurde extra an der berühmtesten K/T-Grenze bei Gubbio in Italien eine Bohrung durchgeführt. Gemeinsam mit einer wissenschaftlich korrekten Animation des Einschlags werden seine Auswirkungen auf die Umwelt anhand des Bohrkerns erklärt.

Informationen

Naturhistorisches Museum Wien

Burgring 7, A-1010 Wien

Tel. + 43 (0) 1/521 77-0*

Do–Mo 9–18.30 Uhr, Mi 9–21 Uhr

www.nhm-wien.ac.at

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