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Via Regia in Sachsen:
Angekommen!

Schwester Johanna/Panschwitz-Kuckau

Viel unterwegs war Schwester Johanna, bevor sie vor Jahren in den Zisterzienser-Orden eintrat. Atheistisch erzogen, hatte sie alles, was für eine junge Frau heute selbstverständlich ist: eine eigene Wohnung, einen guten Job und ein Auto. Mit dem fuhr sie oft ziellos hin und her, unsicher und innerlich auf der Suche. Bis sie den Wagen 1998 durch das Torhaus der Klosteranlage St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau lenkte, um sich dort einen Teil der Landesausstellung „Zeit und Ewigkeit“ anzusehen. „Im Klosterhof spürte ich, dass ich hierher gehöre.“

Seitdem lebt die Nonne mit 17 Mitschwestern in der, Mitte des 13. Jahrhunderts gegründeten Abtei, die sich der Zisterzienser-Regel der Armut und Einfachheit verschrieben hat. Morgens um 3.10 Uhr läutet ihr Wecker, damit Schwester Johanna pünktlich zu den Vigilien in der Kapelle ist. Um genügend Schlaf zu bekommen, geht sie im Winter nach der Komplet um 20 Uhr ins Bett, im Sommer wird es auch mal halb elf. Ihr Alltag wird von den Stundengebeten geregelt, zwischen denen Johanna im Garten oder auf der Krankenstation arbeitet und die bettlägerigen Nonnen pflegt. Dabei klingelt immer wieder das Mobiltelefon in den Falten ihres Habits. „Das ist ein großes Haus, die Verständigung geht so viel schneller, als wenn wir loslaufen, um jemanden zu finden.“ Privat telefoniert die Schwester weniger gerne, bleibt lieber per E-Mail und mit Briefen mit ihren Freunden in Kontakt.

Wer selbst gerne einmal einen Gang zurückschalten möchte, ist als Gast in St. Marienstern jederzeit willkommen, um „die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen und ruhiger zu werden“, wie Johanna das selbst erlebt hat. Besucher können an der Liturgie teilnehmen, die Schatzkammer des Klosters besichtigen, sich im Kräutergarten über gesunde Ernährung informieren, Fastenkurse belegen und im Gästehaus Halt machen und übernachten.

Vor einiger Zeit war auch Schwester Johanna wieder auf der Reise: Sie ist in ihrem Urlaub auf den Jakobsweg gegangen, der an der Abtei entlang führt – eine Pilgerin auf der Via Regia, die ihr Ziel bereits kennt.

Text: Manuela Geiger

Kloster St. Marienstern
Klosterkirche:
Teilnahme an den ­Gottesdiensten und Gebeten möglich, Führungen nach ­Vereinbarung

Besichtigung der Schatzkammer:

März bis Oktober: Mo bis Do

10 bis 16.30 Uhr, Sa, So und

feiertags 12 bis 16.15 Uhr;
November bis Februar: auf Anfrage

Gästehaus: 20 Zimmer ohne und mit Dusche/WC

Fasten für Gesunde: mit geprüften ­Fastenleiterinnen

Kräuter- und Ernährungszentrum:

Garten von Mai bis Oktober geöffnet

Restaurant im Klosterstübel:

täglich 11 bis 22 Uhr geöffnet

Tel. +49 (0) 35 796 99 44 4

www.marienstern.de

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