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Von zeitgenössischen Sehnsuchtsorten zur „Rheinromantik“

Zwei Ausstellungen untersuchen im Arp
Museum Bahnhof Rolandseck das Thema „Romantik“ aus unterschiedlichen Perspektiven.

Hans-Arp-Allee 1, D-53424 Remagen

Unter dem Titel Belvedere. Warum ist Landschaft schön? versammelt das Museum aktuelle Arbeiten von 24 Künstlerinnen und Künstlern, darunter Guy Allott, Mark Dion, Cyprien Gaillard, Beate Gütschow, Pia Lanzinger, Thomas Ruff, Gerhard Richter, Corinne Wasmuht und Lawrence Weiner. Die im Museumsneubau von Richard Meier ausgestellten Arbeiten untersuchen das Landschaftsbild als Projek­tionsraum und Sehnsuchtsort. Das historische Konzept des „Belvedere“ steht dabei im Fokus der Schau. Es entspricht hier der Vorstellung einer idealisierten, schönen Aussicht, die einen weiten Blick auf Landschaft ermöglicht.

Es geht also um unsere Wahrnehmung, die immer durch Weltanschauungen, Ideologien und Moden der jeweiligen Zeit beeinflusst ist. Der Betrachter ist eingeladen, im Durchwandern der Ausstellungslandschaft seine eigenen Perspektiven zu erschließen. Hiebei lässt sich in der Ausstellung entdecken, dass gerade in den letzten Jahren zahlreiche Werke entstanden sind, die sich mit der Konstruktion von Landschaften als Sehnsuchtsorten beschäftigen. Die Natur erscheint in den Gemälden, Fotografien, Skulpturen, Videos und Installationen schön, weil unberührt – obwohl sie es möglicherweise längst nicht mehr ist. Genau mit dieser Spannung spielt der Untertitel „Warum ist Landschaft schön?“. Er zitiert den Soziologen Lucius Burckhardt (1925–2003), der mit seiner Spaziergangs­wissenschaft eine Methode der Landschaftswahrnehmung entwickelte, die das selbstständige Sehen und kritische Erkennen unserer Umwelt zum Ziel hatte. Zentral ist die Frage, wodurch unser Blick auf Landschaft bestimmt wird, aus welchen Gründen, wann und warum wir sie als schön erkennen.

Parallel dazu widmet sich im Bahnhof ­Rolandseck die Ausstellung Rheinromantik. Mythos und Marke dem Bilder- und Motivschatz der Kulturlandschaft zwischen Drachenfels und Loreley am Mittelrhein. Der erst zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert neu entdeckte Rhein spielte für die Romantiker dabei eine besondere Rolle. Zunächst wurde der Rhein zu dem deutschen Strom und in der unmittelbaren Folge vom romantischen zum touristischen Sujet. Im Mittelpunkt der Schau steht der künstlerische Blick, denn beliebte Motive wie Rolandsbogen, Drachenfels oder Loreley sind in unterschiedlichen Medien immer wieder aufs Neue dargestellt worden. Die hier zu beobachtende Idealisierung trieb der sagenhafte Blick auf die Spitze. Volkstümliche Sagen und Bilder von „Idealburgen“ beförderten den Mythos Rhein. Im Kontrast dazu erlauben inszenierte Ausblicke einen „realen“ Blick auf den Rhein und das Siebengebirge. In einer weiteren Station wird der zunehmend nationale Blick auf den Rhein thematisiert. Diesem war der Rhein nach dem Ende der napoleonischen Zeit verstärkt ausgesetzt. Mit dem Umbau der Rui­ne Stolzenfels oder der Errichtung von Nationaldenkmälern wie etwa dem Deutschen Eck in Koblenz führte Preußen seine Macht am Rhein vor Augen. Ganz entscheidend hat aber auch der touristische Blick den „romantischen Rhein“ vereinnahmt. Davon zeugt frühe Reiseliteratur ebenso wie die ausufernde Souvenirproduktion. Der 1858 fertiggestellte Bahnhof Rolandseck ermöglichte den Reisenden die komfortable Erschließung der romantischen Rheinlandschaft und bildet somit den idealen Rahmen für diese Ausstellung.

Belvedere. Warum ist Landschaft schön?
24 aktuelle Ausblicke

bis 4. März 2012

Rheinromantik. Mythos und Marke

bis 4. März 2012

Informationen

Winterpause: 9. bis 28. Januar 2012!

Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Hans-Arp-Allee 1, D-53424 Remagen

Tel. +49 (0) 22 28/94 25-0

Di–So und Fei 11–18 Uhr

info@arpmuseum.org

www.arpmuseum.org

http://www.facebook.com/arpmuseumbahnhofrolandseck

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