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Foto: Christian Muthspiel


Eröffnungskonzert

20. Mai 2011
Bei diesem Konzert stehen Werke von Strawinsky, Milhaud und Ravel auf dem Programm. Leitung: Christian Muthspiel, Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele.

EDWARD ELGAR: »Chanson de nuit«, op. 15
IGOR STRAWINSKY: »L’oiseau de feu« (»Der Feuervogel«) Ballettsuite für Orchester (1945)
DARIUS MILHAUD: »Saudades do Brasil« Suite de danses, op. 67
ALEGRE CORRÊA: Reflections on »Saudades do Brasil«
MAURICE RAVEL: Boléro

Vincent Klink (Eröffnungsrede)
ALEGRE CORRÊA GROUP: Alegre Corrêa (Gitarre / Percussion / Stimme) | Gerald Preinfalk (Saxophon/Bassklarinette) | Klemens Bittmann (Violine/Mandoline) | Alune Wade (Bass)
Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele
Christian Muthspiel (Musikalische Leitung)

Es ist das blaue Band der Wehmut, das uns um die Seele flattert, wenn wir es mit »Sehnsucht« zu tun haben. Diesem »bei Nacht glänzenden Juwel« (Shakespeare) wollen wir unser Eröffnungskonzert widmen. Allerdings nicht der melancholischen Farbe seiner Bedeutung wollen wir folgen – wir laden zu einer Abenteuer-Reise, an deren Ziel die Sehnsucht steht.
Als Türöffner des Abends klingt Edward Elgars innige Miniatur »Chanson de nuit« – Sehnsüchte funkeln meist zu später Stunde. Vincent Klink, unser Eröffnungsredner, ist nicht nur inspirierter Erfinder am Herd, sondern ein Mann, der sein Tun und Sein auch schreibend reflektiert. Man spürt sofort seinen tiefen Respekt vor Traditionen, einen Respekt, der angetrieben ist vonwacher Kreativität. In seiner Rede wird er der Lust auf das Unbekannte nachgehen – und der Scheu vor dem Fremden.
Igor Strawinsky gilt als das sinnlich-sarkastische Genie der Musik des 20. Jahrhunderts; oft genug wird seine Liebe zur Romantik übersehen. In der Suite »L’oiseau de feu« erzählt er von der Leidenschaft eines Königssohns zu einer gefangenen Prinzessin, die er mit einer glühenden Feder des Feuervogels befreien kann. Der Dirigent Christian Muthspiel ist ein Musiker neuen Typs: Als einer der eigenwilligen Komponisten seiner Generation zählt er zugleich zu den führenden Posaunisten der Jazz-Szene. Er begreift Musik aus der Perspektive des Instruments, und so hat er sich für dieses Programm auch die »Saudades do Brasil« des Franzosen Darius Milhaud gewünscht. Milhaud war ein Besessener, der unaufhörlich die Musik fremder Kulturen untersuchte; 1921 schrieb er sich in Dänemark die Sehnsucht nach Rio de Janeiro von der Seele.
Muthspiel bat nun den brasilianischen Gitarristen Alegre Corrêa, eine aufregende Spekulation anzustellen: Wie mag wohl die Musik geklungen haben, die Milhaud vor neunzig Jahren zu »Saudades« inspiriert hat? Corrêas »Reflection« ist jeweils der entsprechende Satz Milhauds vorangestellt, um »Original« und »Reflexion« unmittelbar zu vergleichen.
Kaum ein Komponist hat den Taumel der Liebe so suggestiv in Noten gefasst wie Maurice Ravel. Zu Arthur Honegger bemerkte Ravel fast abfällig: »Ich habe nur ein Meisterwerk gemacht, das ist der Boléro – leider enthält er keine Musik!« Mag sein. Sein »Boléro« jedenfalls ist die Hymne des 20. Jahrhunderts auf die Sehnsucht nach der Sehnsucht. Auf das Geheimnis, das uns antreibt.

Details zur Spielstätte:
Stuttgarter Straße 33, D-71638 Ludwigsburg
Im Rahmen des Festivals:
Ludwigsburger Schlossfestspiele

Veranstaltungsvorschau: Eröffnungskonzert - Theatersaal, Forum am Schlosspark Ludwigsburg

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