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Foto: Christian Gerhaher


Süßer Friede, stille Ruh

10. Juli 2011
Mit Christian Gerhaher (Bariton) & Heinz Holliger (Oboe/Musikalische Leitung).

JAN DISMAS ZELENKA: Lamentatio pro die mercurii sancto Nr. 1
JOHANN SEBASTIAN BACH: Sinfonia für Oboe und Streicher aus »Ich hatte viel Bekümmernis«, BWV 21 | »Ich will den Kreuzstab gerne tragen«, BWV 56
JAN DISMAS ZELENKA: Lamentatio pro die jovis sancto Nr. 2
JOHANN SEBASTIAN BACH: Konzert für Oboe d’amore A-Dur, BWV 1055 | »Ich habe genug«, BWV 82

Christian Gerhaher (Bariton)
Vokalensemble der Ludwigsburger Schlossfestspiele
Camerata Bern
Heinz Holliger (Oboe/Musikalische Leitung)

Der Name Johann Sebastian Bach (1685 –1750) steht für die Vollendung protestantischer sakraler Vokalmusik in der Barockzeit. Nicht weniger aufregend und gleichzeitig berührend sind die Kompositionen seines Zeitgenossen Jan Dismas Zelenka (1679 –1745), der für den katholischen Hof unter August dem Starken in Dresden wirkte. Der in Böhmen geborene Zelenka war Sohn eines Organisten und komponierte höchst originelle und unkonventionelle Orchester- und Vokalwerke. Das Besondere seines OEuvre sind die zahlreichen geistlichen Werke, darunter die neun Einheiten (sogenannte Lektionen) mit Lamentationen. Im nächtlichen Stundengebet des römischen Ritus kommen im Verlauf des Kirchenjahres sämtliche Bücher der Bibel zur Verlesung. Schon seit den ältesten Zeiten treffen auf die Karwoche die Bücher des Propheten Jeremias. Es handelt sich bei den Lamentationen um Klagelieder, in denen die Vernichtung der Stadt Jerusalem betrauert wird. Am Dresdner Hof pflegten die Jesuiten im frühen 18. Jahrhundert den konzertanten Vortrag in einer besonders aufwendigen künstlerischen Fassung: Es wurden keine bereits vorhandenen Kompositionen verwendet, sondern die Verse durch einen zeitgenössischen Komponisten – eben den hiesigen Kirchenkomponisten Zelenka – neu vertont.
Im Konzertprogramm dieses Abends begegnen sich auf spannende Weise protestantische und katholische Kirchenmusik des 18. Jahrhunderts. Christian Gerhaher stellt den zwei Lamentationen Zelenkas die beiden berühmten Solo-Kantaten »Ich will den Kreuzstab gerne tragen« und »Ich habe genug« für Bariton von Johann Sebastian Bach gegenüber. Heinz Holliger interpunktiert diesen musikalischen Dialog der Konfessionen wiederum mit zwei Werken für Oboe und Orchester, dem Konzert für Oboe d’amore und der Sinfonia aus Bachs Kantate »Ich hatte viel Bekümmernis«. Dabei stimmt die Oboe, das Instrument des Klagelauts, in das trauernde Lamento der Vokalwerke dieses Abends mit ein.
Christian Gerhaher ist eine der eindrucksvollsten Sänger-Persönlichkeiten unserer Zeit. Für seine tiefschürfenden Liedinterpretationen hoch gerühmt, ist er ein ebenso bedeutender Sängerdarsteller auf der Bühne. Musikalischer Partner als Oboist und Dirigent ist ihm in Ludwigsburg Heinz Holliger, der Grandseigneur der klassischen Musik. Als Musiker und Komponist hat der Schweizer höchste Ämter inne gehabt und die großen Preise der Musikwelt erhalten. Beide schaffen zusammen mit der Camerata Bern bei den Schlossfestspielen einen Konzertabend von ergreifender Innerlichkeit.

Details zur Spielstätte:
Stuttgarter Straße 33, D-71638 Ludwigsburg
Im Rahmen des Festivals:
Ludwigsburger Schlossfestspiele

Veranstaltungsvorschau: Süßer Friede, stille Ruh - Theatersaal, Forum am Schlosspark Ludwigsburg

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