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Foto: VersammlungshausFoto: HausschweinFoto: Kamm und Fibeln


Archäologie einer Landschaft - Michelstetten

15. Juli 2010 bis 30. Nov. 2011
Fünf Jahre lang wurden 10.000 m² Baufläche von Archäologen des Landes Niederösterreich in Michelstetten ergraben. Die Auswertungen liefern sensationelle Ergebnisse für die Wissenschaft. In der Ausstellung „Archäologie einer Landschaft – Michelstetten“ sind diese zu sehen. Die größte Sensation der Grabung war das erstmalige Auffinden eines Versammlungshauses in Österreich, das nun im Urgeschichtemuseum nachgebaut wurde.

Etwa 10.000 m² Baufläche wurden bei Rettungsgrabungen der Niederösterreichsichen Landesarchäologie in den Jahren 1994 bis 1999 in Michelstetten (Gemeinde Asparn/Zaya) archäologisch untersucht, weit über 1.500 Objekte, vom Mittelneolithikum (4.500 v. Chr.) bis ins Frühmittelalter (9. Jh. n. Chr.), konnten erfasst werden.
Siedlungsobjekte von Pfosten-, Speicher- und Lehmentnahmegruben bis hin zu eingetieften Kellern und Grubenhütten, von Dörrplatten bis zum Töpferofen, vom Eisenschmelzofen bis zum Brotbackofen, von der Niederlegung ganzer Schweine bis hin zu Kindergräbern wurde alles mit höchster Genauigkeit geborgen, dokumentiert, inventarisiert und restauriert.
Eine Diplomarbeit, drei Dissertationen und ein Aufarbeitungsgroßprojekt haben in den letzten Jahren viele Forschungsfragen klären können.
Jede Siedlungsgrabung ist eine negative Auslese von jenen Dingen, die für die Menschen unbrauchbar geworden sind. Gefunden werden Tonscherben von Gefäßen, unbrauchbar gewordene Werkzeuge aus Stein oder Knochen, Schmuckstücke und Werkzeuge aus Eisen, Glasfragmente, Hüttenlehmbruchstücke, Tierknochen, Spinnwirtel oder Eisenschlacke. Sie alle sprechen aber eine Sprache, die der Archäologe zu deuten versteht. Im Zusammenhang mit der jeweiligen Befundsituation lassen sich Schlüsse auf die Siedlungstätigkeit schließen. Archäobotanische und archäozoologische Untersuchungen an verkohlten Pflanzenresten, sowie an den Tierknochenmaterialien geben Einblick in die Lebensweise der Menschen und in die Tier- und Pflanzenwelt der unterschiedlichsten Zeitepochen. Nur durch die Siedlungsgrabungen und deren schnelle Auswertung kann auf die Lebensweise der Menschen geschlossen werden.
Viele Rätsel der Siedlung aus Michelstetten konnten geklärt werden, vieles wird wohl für immer im Dunkel der Vergangenheit bleiben. Wohl nie wird sich klären, warum die drei Schweine aus dem Mittelneolithikum regelrecht beigesetzt wurden, wieso die Webstuhlgewichte aus der Hallstattzeit nie fertig gestellt wurden, wie die keltische Schwertkette in eine frühmittelalterliche Siedlungsgrube gelangen konnte, oder ob die Kelten in Michelstetten tatsächlich Münzen prägten, vielleicht für die Herren am Oberleiserberg….
Die jahrelangen Forschungen wurden in erster Linie vom Land Niederösterreich unterstützt, große Unterstützung fand das „Michelstettenprojekt“ auch beim Fond der Österreichischen Nationalbank.

Die Aufarbeitung von Grabungen nimmt oft Jahre in Anspruch. Die Ergebnisse der Grabung in Michelstetten werden nun der Öffentlichkeit in der Ausstellung „Archäologie einer Landschaft – Michelstetten“ präsentiert. Die Ausstellung präsentiert eindrucksvoll die Siedlungsgeschichte von Michelstetten, erzählt über Schweineopfer, Gräber, Kreisgräben und das Alltagsleben. Die Ausstellung ist bis 30. November 2011 im Urgeschichtemuseum zu sehen.

Der Nachweis eines bisher in Österreich einmaligen Gebäudes aus der Mittellatènezeit (ca. 300 - 200 v. Chr.) ist in Michelstetten gelungen. Dieser Haustyp, sicher kein gewöhnliches Wohnhaus, er konnte bisher nur in Westfrankreich und in Süddeutschland nachgewiesen werden. Als Ergebnis der Forschungen wurde dieser Haustyp, das Keltische Versammlungshaus, im archäologischen Freigelände in Asparn/Zaya als 1:1 Modell nachgebaut. Die wissenschaftliche Ausstellung im Museum und der Modellbau im Freigelände ergänzen sich auf eindrucksvolle Weise. Nur so kann dem Besucher der Sinn der Forschung näher gebracht werden, alles andere wäre verantwortungslos und ohne Inhalt. An diesem Beispiel kann die Wirkung der wissenschaftlichen Forschung für das interessierte Publikum deutlich gemacht werden. Der ausgewertete Grabungsbefund wurde von Experimentalarchäologen zu neuem Leben erweckt, als sichtbares Ergebnis gelebter Forschung.

Details zur Spielstätte:
Asparn an der Zaya 1, A-2151 Asparn/Zaya

Veranstaltungsvorschau: Archäologie einer Landschaft - Michelstetten - Urgeschichtemuseum Niederösterreich

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